Dies ist die Website für den "Parametric Design" Kurs am Fachbereich Design der Fachhochschule Potsdam (FHP). Diese Website öffnet Einsteiger*innen einen Startpunkt für das Gestalten durch Programmierung. Es werden nur kostenlose und quelloffene Anwendungen genutzt. Das Seminar ist so konzipiert, dass die Inhalte auf der Website untermauert werden von gemeinsamen Aktivitäten in den Vorlesungen. Die Website stellt aber auch in sich allein einen guten Einstieg in das Thema dar.
Dieser Kurs richtet sich an alle Designer*innen und Kreative, die Herausfinden wollen, wie man durch Programmierung digitale und physische Artefakte gestalten kann. An der FHP werden die Studiengänge Interface-, Produkt- und Kommunikationsdesign angeboten, welche eine zentrale Rolle in diesem Kurs spielen werden.
Worum geht es in diesem Kurs?
Was unterscheidet diesen Kurs von anderen Einführungen in die Programmierung? Dieser Kurs hat einen starken Fokus auf Schnittstellen zwischen Artefakten, welche wir durch Code generieren und anderen Anwendungen und Fertigungsverfahren (siehe unten). Wir werden für den gesamten Kurs JavaScript nutzen, da es eine gute Programmiersprache für den Einstieg ist. Man benötigt keinerlei Vorkenntnisse, um an diesem Kurs teilzunehmen. Wenn du Programmierer*in oder Informatiker*in werden möchtest, dann ist dieser Kurs vllt. ein vorsichtiger erster Einstieg, aber wahrscheinlich nicht der Kurs, nach dem du suchst. Wenn man als Desginer*in programmieren lernt, ist ein wichtiger Teil, neben den technischen Grundlagen, zu lernen wie man seine Ideen in Code überträgt. In diesem Kurs beschäftigen wir uns mit diesem Teil speziell durch Gruppenaktivitäten im Seminar. Auf der Website finden sich ein paar Übungen als Startpunkt. Darüber hinaus ist das Wichtigste auf dem Weg sich sicherer im Umgang mit Code zu fühlen, zu programmieren, experimentieren und auszuprobieren.
Algorithmisches Denken und Parametrisierung von Design
Dieser Kurs ist mehr als eine Einführung ins Programmieren. Code ist hier vor allem ein Werkzeug, um Gestaltung aus einer systematischen, algorithmischen Perspektive zu betrachten: Statt ein einzelnes Objekt, ein einzelnes Layout oder eine einzelne Grafik zu zeichnen, beschreiben wir die Regeln, Beziehungen und Variablen, aus denen sie entstehen.
Wer ein 3D-Objekt parametrisch entwirft, definiert nicht nur eine Form, sondern eine ganze Familie von Formen. Durch das Verändern weniger Parameter (Größe, Anzahl, Abstand, Winkel, Rundung) lassen sich mühelos Varianten erzeugen, anpassen und für unterschiedliche Anforderungen optimieren. Dasselbe Prinzip trägt auch über einzelne Objekte hinaus: Gut strukturierte Designsysteme mit klar benannten Variablen, Abhängigkeiten und Regeln können sowohl von Menschen verstanden und weiterentwickelt als auch von Maschinen verarbeitet, erweitert und automatisch angewendet werden.
Die vielleicht wichtigste Fähigkeit dabei ist das Dekonstruieren: Objekte, Interfaces, Layouts und Prozesse in ihre zugrunde liegenden Systeme und Strukturen zu zerlegen. Diese Denkweise hilft in vielen Situationen, auch weit über den Code hinaus:
- Arbeit im Team: Ein klar beschriebenes System (z.B. Raster, Komponenten, Namenskonventionen) schafft eine gemeinsame Sprache und macht Entscheidungen nachvollziehbar und übergabefähig.
- Informationshierarchien: Inhalte lassen sich in Ebenen, Gruppen und Beziehungen gliedern, etwa bei der Struktur einer Website, einer Navigation, eines Dokuments oder einer Ausstellung.
- Typografie und Layout: Schriftgrößen, Abstände und Raster folgen einer Skala oder einem Rhythmus, statt Werte einzeln zu schätzen.
- UI- und Designsysteme: Farben, Abstände und Komponenten werden als Tokens und Varianten definiert, eine Änderung wirkt sich dann konsistent auf das gesamte Produkt aus.
- Corporate Design und Identitäten: Ein flexibles System aus Regeln erzeugt viele Anwendungen, ohne jede einzeln gestalten zu müssen.
- Daten und Visualisierung: Dieselbe Gestaltungsregel kann auf tausend Datensätze angewendet werden, und das Ergebnis bleibt lesbar und vergleichbar.
- Produktion und Fertigung: Parametrische Modelle lassen sich für 3D-Druck, Laserschnitt oder CNC anpassen, ohne jedes Mal von vorn zu beginnen.
- Customisation und Personalisierung: Ob Möbel, Kleidung oder Grafikdesign, ein parametrisches System erlaubt es, Produkte an Körpermaße, Räume, Vorlieben oder Inhalte anzupassen, sodass aus einem Entwurf viele individuelle Varianten entstehen.
- Prozesse und Abläufe: Auch Arbeitsabläufe, User-Journeys oder Workshops lassen sich als Abfolge von Schritten, Bedingungen und Wiederholungen beschreiben und verbessern.
Wer Gestaltung auf diese Weise denkt, kann nicht nur schneller Varianten erzeugen, sondern auch bewusster entscheiden, welche Elemente eines Entwurfs fest und welche veränderbar sein sollen.
Das Team
Als Professor für die Gestaltung von Wissensvermittlung an der Fachhochschule Potsdam, vermittle ich in den Studiengängen Interface- und Produktdesign Digital-Skills zur gestalterischen Arbeit mit Programmier- und KI-Tools. Gemeinsam mit meinem Team forschen wir zu diesen Themen im Interaction Design Lab.
Ich bin Jolanta Paliszewska, eine taube Designerin und Expertin für Accessibility, Design für alle und Empowerment Design. Derzeit arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Bremen und unterrichte außerdem als Dozentin (z.B. an der Fachhochschule Potsdam).
www.vispal.de
Open Educational Resources
Dieses Seminar wird unter CC BY-ND 4.0 zur Verfügung gestellt. Dies bedeutet, dass die Inhalte dieser Website, sowie die Inhalte im zugehörigen GitHub-Repo auch von anderen Lehrenden eingesetzt werden können. Es muss nur die Quelle angegeben werden. Warum dürfen die Inhalte nicht verändert (remix) werden? Es gibt viel Videomaterial auf dieser Website, diese und die Grafiken wollen wir nicht verändert sehen. Falls jemand Interesse hat, einen spezifischen Inhalt zu verändern, nehmt vorher bitte Kontakt mit uns auf. Die Code-Beispiele sind alle unter der MIT Lizenz veröffentlicht. Entsprechend können diese ohne Einschränkungen weitergenutzt werden.
Mitmachen
Dir gefällt dieses Projekt und du willst uns unterstützen? Wenn du einen Fehler findest, kannst du ihn hier auf GitHub melden. Wir freuen uns auch immer über weitere Übersetzungen. Wenn du Interesse hast die Inhalte zu übersetzen, nimm Kontakt mit uns auf. Du kennst weitere Projekte für die Inspirations-Seite ? Dann schick uns einfach eine Email.
Danke
Sebastian: Ich habe nicht Informatik oder ähnliches studiert (auch wenn ich meinen PhD später in der Informatik gemacht habe). Vor mehr als zwei Jahrzehnten hat mir das Internet Programmieren beigebracht oder besser gesagt, die Communities, die ihr Wissen dort geteilt haben (zu Beginn besonders SELFHTML). Deshalb bin ich heute sehr dankbar für alle großartigen Open Educational Resources. In den letzten Jahren haben mich besonders die OER-Initiativen von Tamara Munzner (Datenvisualisierung) and Daniel Shiffman (Creative Coding) inspiriert. Ich danke allen Open Source und Open Educational Resource Contributors!!!
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